Saucisson d'Ardenne
g.g.A. Fleisch & Wurst · Belgien
Saucisson d'Ardenne ist eine geräucherte, getrocknete Wurst aus Schweinefleisch oder aus Schweine- und Rindfleisch aus den belgischen Ardennen. Unter drei Namen gibt es sie in drei Formen: als gerade Saucisson, als ringförmiges Collier und als kleine Pipe; kalt geräuchert wird über Eichen- oder Buchenholz, oft mit Wacholderbeeren.
Auf einen Blick
- Schutz
- g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 8. Mai 2014
- Namen
- Saucisson d'Ardenne, Collier d'Ardenne, Pipe d'Ardenne
- Erzeugnis
- geräucherte, getrocknete Wurst aus Schweinefleisch oder Schweine- und Rindfleisch
- Rindfleisch
- höchstens 40 %
- Formen
- Saucisson: gerade, 30–90 mm, bis 60 cm; Collier: Ring, 20–40 mm, 200–600 g; Pipe: 30 mm, bis 150 g
- Räucherung
- kalt über Eichen- und/oder Buchenholz, Wacholderbeeren möglich
- Salz
- höchstens 4,0 %
- Herkunftsgebiet
- Provinz Luxemburg und angrenzende Teile der Provinzen Lüttich und Namur (Belgien)
Aussehen & Geschmack
Die drei Namen bezeichnen dieselbe Wurst in drei zylindrischen Formen. Die Saucisson ist gerade und länglich, 30 bis 90 mm dick und am Stück höchstens 60 cm lang, bei etwa 2,2 kg Höchstgewicht. Das Collier ist ringförmig, 20 bis 40 mm dick und wiegt 200 bis 600 g. Die kleinere Pipe ist gerade, 30 mm dick und wiegt höchstens 150 g.
Die Oberfläche ist glatt und leicht ölig, die dünne Haut dunkelrot. Innen ist die Wurst kräftig rot, durchsetzt mit weißen Fettstückchen. Die runde oder leicht längliche Körnung von höchstens 4 bis 8 mm ist deutlich zu sehen, die Wurst ist dennoch kompakt. Sie ist so fest, dass sie sich mit dem Finger nicht eindrücken lässt, beim Essen aber geschmeidig und keineswegs trocken. Vorherrschend ist das feine Raucharoma, je nach Hersteller mehr oder weniger ausgeprägt und lange im Mund. Die Wurst duftet leicht nach frischem Fleisch und Gewürzen; zum Rauch kommen eine leichte Säure und holzige, pfeffrige und harzige Noten, auch von den Wacholderbeeren. Die übrigen Gewürze bleiben im Hintergrund, Knoblauch ist höchstens leicht zu schmecken. Von einer ähnlichen Wurst aus der Gaume unterscheidet sie sich laut Spezifikation durch feinere Körnung, stärkere Trocknung und typische Gewürze, vor allem Wacholder.
Herstellung
Verwendet wird nur Schweinefleisch – Speck und mageres Fleisch – oder eine Mischung mit Rindfleisch, das höchstens 40 % des Frischgewichts ausmacht. Schlachtnebenprodukte, Separatorenfleisch, Zwerchfell und Schwarten sind ausgeschlossen. Gefüllt wird in poröse Naturdärme, Därme auf Kollagenbasis oder geklebte Därme, für vorgeschnittene Ware auch in Kunststoffdärme; gefärbt werden dürfen sie nicht. Die Wurst wird kalt geräuchert, durch langsames Verbrennen von Spänen oder Scheiten aus Eiche oder Buche; Nadelholz und Recyclingholz sind verboten. Dem Brennstoff können Wacholderbeeren beigegeben werden. Die fertige Wurst enthält höchstens 4,0 % Salz.
Alle Schritte von der Vorbereitung der Wurstmasse bis zur Trocknung finden in den Ardennen statt. Heute gibt es zwei gleichrangige Rezepte, eines nur mit Schweinefleisch und eines mit bis zu 40 % Rindfleisch; laut Spezifikation ist der Unterschied im Geschmack nicht wahrnehmbar, er hängt vor allem vom Räuchern und Würzen ab.
Herkunft & Geschichte
Das Gebiet ist dasselbe wie das 1974 für den Jambon d’Ardenne festgelegte: die ganze Provinz Luxemburg und angrenzende Teile der Provinzen Lüttich und Namur. An den bis zu 700 m hohen Höhenzügen stauen sich die feuchten Südwestwinde; das Klima ist feuchtkalt, mit langen kalten Wintern von Oktober bis Mai und regenreichen Sommern. Die Wälder gehen auf den alten Kohlenwald mit Buchen und Eichen zurück. Weil sich die Hochebenen mit steilen Hängen und mageren Böden kaum für den Ackerbau eignen, wird vor allem Vieh gehalten; durch Rodung und Beweidung entstanden in den Tälern Heiden mit Heidekraut und Wacholder.
Das Räuchern gehört zur Ardenner Tradition. Laut Spezifikation unterscheidet es sich von den Nachbarregionen: Im Schwarzwald wird mit Nadelholz kräftiger geräuchert, in der Gaume ist die Rauchnote schwächer, in den französischen Ardennen fehlt sie. Die Fleischer verwerteten das ganze Schwein: die zarten Teile für den Jambon d’Ardenne, die weniger edlen für die Wurst. Mit der Rinderzucht kam Ende des 19. Jahrhunderts Rindfleisch hinzu; als ab den 1950er-Jahren immer magerere Rinder gezüchtet wurden, ging sein Anteil zurück, ohne ganz zu verschwinden. Der Name „Saucisson d’Ardenne“ ist seit 1890 belegt, als Fleischwolf, Kutter und Kühlräume in die Wurstherstellung kamen und erste Rezepte in Fachbüchern erschienen.
Grundlage dieses Textes: Einziges Dokument, Amtsblatt der EU C 182 vom 3. Juni 2015. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.
Herkunft auf der Karte
Schutz & Quellen
Steckbrief, Lage und Datenquelle
Steckbrief
- Schutz
- geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
- Kategorie
- Fleisch & Wurst
- Herkunft
- Belgien
- Geschützt seit
- Weitere Namen
- Collier d'Ardenne · Pipe d'Ardenne
- Aktenzeichen
- PGI-BE-01222
Lage
Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Koordinaten: 50.167, 5.500
Quelle
Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 10. Februar 2020. Eintrag im eAmbrosia-Register