Vlaams roodbruin bier

g.g.A. Bier & andere Getränke · Belgien

Vlaams roodbruin bier, auch Flanders Red Ale, ist ein rotbraunes Bier gemischter Gärung aus Westflandern, das ganz oder teilweise in aufrecht stehenden Eichenfässern, den „foeders“, reift. Es ist oft zugleich süß und säuerlich, weinig und hat kaum Hopfenbittere.

Auf einen Blick

Schutz
g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 14. April 2025
Art
Bier gemischter Gärung, in Eichenfässern gereift
Alkohol
mindestens 3 % vol.
Farbe
rotbraun, 50–80 EBC
Reifung
in „foeders“ mit 50 bis 700 Hektolitern, verschnittenes Bier im Durchschnitt 4,5 Monate
Rohstoffe
mindestens 60 % Gerstenmalz, Hefe, Brauwasser, Hopfen; Kräuter und rote Früchte nach Wahl
Herkunftsgebiet
Bezirke Roeselare, Tielt und Kortrijk sowie Kortemark und Ichtegem (Westflandern, Belgien)

Aussehen & Geschmack

Gedarrtes oder leicht geröstetes Gerstenmalz gibt dem Bier seine rotbraune Farbe, die gemischte Gärung seinen leicht säuerlichen Geschmack. Es ist oft sowohl süß als auch säuerlich und hat ein komplexes Aroma. Im Geruch zeigen sich die Fruchtigkeit von Apfelsäure, rote Früchte, weinige Töne, Karamell- bis leicht verbrannte Noten und Anklänge an Eiche.

Der Geschmack ist mild bis scharf-säuerlich, ausgeglichen durch Süße, weinig, mit wenig bis gar keiner Hopfenbittere und leichter Trockenheit. Im Mund wirkt das Bier leicht adstringierend bis leicht trocknend und prickelt nur wenig; der Nachgeschmack ist erfrischend, mittel bis lang. Der Alkoholgehalt liegt bei mindestens 3 % vol., die Bitterkeit unter 15 EBU.

Herstellung

Gebraut wird mit Gerstenmalz, Hefe, ungemälztem oder anderem gemälztem Getreide oder gärfähigen Zuckern, Brauwasser, Hopfen und natürlichen Zuckern. Gerstenmalz macht mindestens 60 % der stärke- und zuckerhaltigen Rohstoffe aus. Kräuter, etwa Süßholz, Gagel, Salbei oder Koriander, und rote Früchte wie Kirschen oder Himbeeren können die Brauer nach Wunsch zugeben. Hopfen wird nur sparsam verwendet, weil seine Bittere in leicht säuerlichen Bieren nicht gut zur Geltung kommt.

Brauen und erste Gärung laufen wie bei obergärigen Bieren. Danach reift das Grundbier ganz oder teilweise in aufrecht stehenden Eichenfässern mit 50 bis 700 Hektolitern, den „foeders“. Dabei bilden Saccharomyces cerevisiae, Lactobacillus- und Brettanomyces-Arten eine Symbiose, die Gärung, Reifung und Geschmack prägt. Das Eichenholz lässt gerade so viel Luft durch, dass organische Säuren in fruchtige Ester umgewandelt werden. Die Reifung dauert zwischen viereinhalb Monaten und mehr als zwei Jahren, je nach Größe der Fässer und Kellertemperatur; der Kellermeister kontrolliert die Fässer regelmäßig und wählt die am stärksten gereiften aus.

Zum Schluss kann das gereifte Bier aus verschiedenen Fässern mit jungem Bier verschnitten werden. Höchstens 75 % der Mischung dürfen junges Lagerbier sein, und das Bier muss im Durchschnitt 4,5 Monate im Fass gereift sein (bei Fässern unter 100 Hektolitern vier Monate). Brauen, Reifung und Verschnitt erfolgen im Gebiet.

Herkunft & Geschichte

Das Gebiet umfasst in der belgischen Provinz Westflandern die Verwaltungsbezirke Roeselare, Tielt und Kortrijk sowie die Gemeinden Kortemark und Ichtegem.

Die älteste bekannte Beschreibung dieses Red Ale steht laut Spezifikation in einem Buch von Georges Lacambre von 1851; die Tradition reiche aber bis ins Mittelalter zurück. In der Grafschaft Flandern gab man dem Bier mit „Gruut“ Geschmack, einer Mischung aus Kräutern und Gewürzen, zunächst ohne und später mit wenig Hopfen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Biere in Ost- und Westflandern westlich der Schelde gemischt vergoren. Neben den Lambic-Brauereien sind die Brauereien dieses Biers laut Spezifikation die einzigen, die ihre Biere noch in Holzfässern reifen lassen.

Zunächst war das Bier wegen seiner durstlöschenden Wirkung und guten Haltbarkeit bei den Landwirten der Gegend beliebt; es wurde auch nach Französisch-Flandern und in den Hennegau ausgeführt. Seit den 1950er-Jahren war es in Westflandern vielerorts in Bars und Biergeschäften erhältlich. 2005 erkannte das Flämische Zentrum für Agrar- und Fischereimarketing (VLAM) es als authentisches traditionelles regionales Erzeugnis an.

Grundlage dieses Textes: Einziges Dokument, Amtsblatt der EU C/2026/2612 vom 7. Mai 2026. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.

Herkunft auf der Karte

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Alle Spezialitäten auf der großen KarteKarte: Natural Earth

Schutz & Quellen

Steckbrief, Lage und Datenquelle

Steckbrief

Schutz
geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
Kategorie
Bier & andere Getränke
Herkunft
Belgien
Geschützt seit
Weitere Namen
Flanders Red Ale
Aktenzeichen
PGI-BE-03417

Lage

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Koordinaten: 51.000, 4.500

Quelle

Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 1. Oktober 2026. Eintrag im eAmbrosia-Register