Schwäbische Spätzle
g.g.A. Sonstige Lebensmittel · Deutschland
Schwäbische Spätzle, auch Schwäbische Knöpfle genannt, sind eine Eierteigware mit unregelmäßiger Form und rauer, poriger Oberfläche. Der zähe Teig kommt direkt ins kochende Wasser oder in Wasserdampf. Es gibt sie frisch, gekühlt, tiefgefroren oder getrocknet, hergestellt in Baden-Württemberg und im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben.
Auf einen Blick
- Schutz
- g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 2. Februar 2009
- Art
- Eierteigware (Frisch- oder Trockenteigware)
- Zutaten
- Hartweizen- und/oder Dinkelgrieß (frisch auch Weizen- oder Dinkelmehl), Eier, Trinkwasser
- Eigehalt
- frisch mindestens 8 Eier je kg Grieß und Mehl, getrocknet mindestens 2 Eier je kg Grieß
- Optional
- Salz (höchstens 1 %), Gewürze, Kräuter, Spinat
- Form
- unregelmäßig, dünn bis dick, länglich bis kurz
- Herkunftsgebiet
- ganz Baden-Württemberg und der Regierungsbezirk Schwaben (Bayern, Deutschland)
Aussehen & Geschmack
Schwäbische Spätzle sind natürlich goldgelb bis hellgelb, haben eine unregelmäßige Form und eine raue, porige Oberfläche. Die Spezifikation spricht von Hausmachercharakter. Ihre Form reicht von dünn bis dick und von länglich bis kurz. Die Namen Spätzle und Knöpfle bezeichnen dasselbe Erzeugnis aus demselben Teig; eine Abgrenzung ist laut Spezifikation kaum möglich, die Übergänge werden regional unterschiedlich gesehen. Gekocht sind sie bissfest und verkleben nicht.
Angeboten werden sie frisch zum direkten Verzehr, pasteurisiert und/oder gekühlt oder tiefgefroren sowie als lagerfähige Trockenteigware.
Herstellung
Trockene Spätzle bestehen aus Hartweizen- und/oder Dinkelgrieß, Frischei und Trinkwasser, mit mindestens 2 Eiern je kg Grieß; in der Regel sind es 4 oder 6. Für frische Spätzle werden Vollei und/oder Frischei verwendet, mindestens 8 Eier je kg Grieß und Mehl, und der Grieß darf ganz oder teilweise durch Weizen- oder Dinkelmehl ersetzt werden. Salz (bis 1 %), Gewürze, Kräuter und Spinat sind erlaubt, bei frischen Spätzle auch Zitronensäure und ein geschmacksneutrales, nicht färbendes Speiseöl zum Beölen.
Die Zutaten werden gemischt und geknetet, bis der Teig zäh ist. Dann wird er ausgeformt und in ein Kochbad oder in Wasserdampf gegeben: Er wird durch Lochbleche gedrückt oder tropft hindurch und wird dabei eventuell geschnitten. Als einzige Teigware werden Spätzle laut Spezifikation schon bei der Herstellung zum ersten Mal gekocht. Trockenware wird danach vorgetrocknet und getrocknet, Frischware gegebenenfalls pasteurisiert und auf 2 bis 7 °C gekühlt oder tiefgekühlt. Traditionell werden Spätzle von Hand geschabt; handgeschabte Spätzle vom Brett gelten bis heute als besonderes Gütesiegel. Die maschinelle Herstellung kam Anfang des 20. Jahrhunderts auf.
Herkunft & Geschichte
Das Gebiet Schwaben umfasst ganz Baden-Württemberg und den gesamten Regierungsbezirk Schwaben des Freistaats Bayern. Die Tradition der Spätzleherstellung lässt sich laut Spezifikation bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen: 1725 fasste der württembergische Rat und Leibarzt Rosino Lentilio „Knöpflein“ und „Spazen“ als „alles was aus Mehl zubereitet wird“ zusammen. In der kleinbäuerlichen, armen Region war damals Dinkel verbreitet, der auch auf kargen Böden gedeiht. Weil Dinkelmehl viel Klebereiweiß enthält und der Teig in Notzeiten auch ohne Eier gelang, wurden Spätzle vor allem aus Dinkel gemacht. Bekannt wurden sie auf der Münsinger Alb.
Der 1827 erstmals veröffentlichte Roman „Die Geschichte von den sieben Schwaben“ berichtet, im Schwabenland esse man täglich fünfmal Suppe und zweimal dazu Knöpfle oder Spätzle. Mit der Industrialisierung und dem wachsenden Wohlstand wurden die Spätzle von der Alltagskost zur Festtagsspeise. 1936 nannte der Heimatdichter Sebastian Blau sie „das Fundament unserer Küche, der Ruhm unseres Landes“. Damit auch maschinell gefertigte Spätzle wie von Hand geschabt wirken, wurden Patente angemeldet, etwa das Deutsche Reichspatent 471046. Ausstellungen in Ofterdingen und im Freilichtmuseum Beuren dokumentieren die Herstellung in Schwaben. Heute führen nahezu alle Teigwarenhersteller und Gastronomen der Region Spätzle, seit den Achtzigerjahren werden sie auch exportiert.
Grundlage dieses Textes: Einziges Dokument, Amtsblatt der EU C 403 vom 1. November 2016. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.
Herkunft auf der Karte
Schutz & Quellen
Steckbrief, Lage und Datenquelle
Steckbrief
- Schutz
- geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
- Kategorie
- Sonstige Lebensmittel
- Herkunft
- Deutschland
- Geschützt seit
- Weitere Namen
- Schwäbische Knöpfle
- Aktenzeichen
- PGI-DE-0738
Lage
Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Koordinaten: 48.500, 9.000
Quelle
Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 10. Februar 2020. Eintrag im eAmbrosia-Register