Liers vlaaike

g.g.A. Backwaren & Süßwaren · Belgien

Liers vlaaike sind kleine runde Küchlein aus der belgischen Stadt Lier: ein heller, ungesüßter Mürbeteigboden mit einer dunkelbraunen, cremigen Füllung aus Paniermehl, Kandissirup, Milch und vier Gewürzen. Ein Stück wiegt etwa 45 g; Varianten gibt es laut Spezifikation nicht.

Auf einen Blick

Schutz
g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 22. Februar 2012
Art
kleines Gebäck mit Gewürzfüllung
Größe
etwa 3 cm hoch, 5 bis 6 cm Durchmesser, etwa 45 g
Boden
Weizenmehl, Wasser, Butter; ungesüßt
Füllung
grobes Paniermehl, heller Kandissirup, Vollmilch, Weizenmehl
Gewürze
Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Koriander zu je 25 %
Nicht enthalten
Eier, Salz, Konservierungsstoffe, andere Zusatzstoffe
Herkunftsgebiet
Stadt Lier mit Koningshooikt, Provinz Antwerpen (Belgien)

Aussehen & Geschmack

Die Küchlein sind rund, etwa 3 cm hoch, 5 bis 6 cm im Durchmesser und wiegen etwa 45 g. Der Boden aus hell gebackenem Mürbeteig ist 3 bis 4 mm dünn und relativ hoch, knusprig, trocken und ungesüßt. Er ist bis zum Rand mit einem dunklen Brei gefüllt, der sich beim Backen leicht aufwölbt und danach sehr dunkelbraun und cremig ist.

Im Geschmack dominieren der Kandissirup und die Gewürze Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Koriander: Die Füllung ist süß und würzig, der Boden dagegen ungesüßt.

Herstellung

Der Boden wird aus Weizenmehl, Wasser und Butter gemacht. Die Füllung besteht aus grobem Paniermehl, hellem Kandissirup, Vollmilch und Weizenmehl und wird mit einer Mischung aus gleichen Teilen Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Koriander gewürzt. Eier, Salz, Konservierungsstoffe und andere Zusatzstoffe enthält das Gebäck nicht. Die meisten Bäcker stellen ihr Paniermehl selbst aus übrig gebliebenen, getrockneten und geraspelten Brötchen oder Baguettes her.

Teigzubereitung, Formen und Backen finden in Lier statt. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Böden in kleinen Holzförmchen geformt, von denen in Lier noch einige erhalten sind: Man kleidete sie mit einem Teig aus warmem Wasser aus, ließ ihn einige Tage trocknen und buk die Böden erst dann mit der Füllung. Auf dem Etikett stehen der Name, das EU-Zeichen der g. g. A. und das Logo des Liers vlaaike.

Herkunft & Geschichte

Das Gebiet besteht aus der Stadt Lier einschließlich der Teilgemeinde Koningshooikt in der Provinz Antwerpen. Laut Spezifikation wurden die Küchlein nie außerhalb von Lier gebacken, aber von den Bäckern der Stadt etwa auf Märkten in Antwerpen verkauft. Die Nähe zu Antwerpen erklärt die Zutaten: Der Hafen war einer der wichtigsten in Europa für orientalische Gewürze und Zuckerrohr, das vor Ort zu Kandiszucker verarbeitet wurde.

Der Ursprung soll ins Jahr 1722 zurückreichen. Damals notierte Lodewijk Jozef van Kessel, Kanonikus der St.-Bavo-Kathedrale in Gent, ein Rezept aus süßer Milch, Zwieback und zerstoßenen Nelken, gesüßt mit Sirup und in einer Kuchenkruste gebacken; heute werden statt Zwieback Paniermehl und statt Nelken allein eine Gewürzmischung verwendet. 1890 bot ein Lierer Bäcker König Leopold II. und Königin Maria Hendrika bei einer Ausstellung zum St.-Gummarus-Fest die Küchlein an und wurde danach Hoflieferant. Felix Timmermans nahm das Liers vlaaike 1925 in seinen Lobgesang „Schoon Lier“ auf. 1995 kam es auf die flämische Euroterroirs-Liste, 2007 wurde es als traditionelles flämisches Regionalerzeugnis anerkannt. Gebacken wird es das ganze Jahr.

Grundlage dieses Textes: Einziges Dokument, Amtsblatt der EU C 177 vom 22. Juni 2013. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.

Herkunft auf der Karte

Der Punkt markiert den namengebenden Ort. Alle Spezialitäten auf der großen KarteKarte: Natural Earth

Schutz & Quellen

Steckbrief, Lage und Datenquelle

Steckbrief

Schutz
geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
Kategorie
Backwaren & Süßwaren
Herkunft
Belgien
Geschützt seit
Aktenzeichen
PGI-BE-0967

Lage

Der Punkt markiert den namengebenden Ort. Koordinaten: 51.121, 4.575

Quelle

Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 21. Februar 2012. Eintrag im eAmbrosia-Register