Hessischer Handkäse

g.g.A. Käse · Deutschland

Hessischer Handkäse, auch Hessischer Handkäs, ist ein kleiner Sauermilchkäse aus Kuhmilch-Quark, dessen Laibchen ursprünglich von Hand geformt wurden und so die Größe einer Handfläche bekamen. Es gibt ihn als Rotschmierekäse und als Hausmacher mit weißem Milchschimmel; hergestellt und verpackt wird er in Hessen.

Auf einen Blick

Schutz
g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 6. Juli 2007
Art
Sauermilchkäse aus Sauermilchquark von Kuhmilch, ohne Lab
Sorten
Rotschmierekäse (Gelbkäse) und Hausmacher mit Milchschimmel
Gewicht
20–125 g je Laibchen
Fettstufe
nur Magerstufe
Reifung
2–3 Tage im Schwitzraum bei etwa 18 bis 30 °C, danach Nachreifung
Herkunftsgebiet
Hessen

Aussehen & Geschmack

Hessischer Handkäse besteht aus kleinen Laibchen von 20 bis 125 g. Er gehört zu den Sauermilchkäsen, die überwiegend aus Sauermilchquark hergestellt werden, und wird nur in der Fettgehaltsstufe „Magerstufe“ erzeugt.

Als Rotschmierekäse, auch Gelbkäse genannt, hat er eine glatte, speckig glänzende Oberfläche mit goldgelber bis rötlich-brauner Schmiere. Innen ist er weißlich bis leicht gelblich, der Teig geschmeidig bis fest und von außen nach innen gleichmäßig gereift. Er riecht und schmeckt rein, würzig bis pikant.

Der Hausmacher trägt zusätzlich einen weißen Milchschimmel-Belag, auch nur auf einer Seite, und hat eine leicht gelbliche, mitunter unebene bis runzelige Haut. Innen ist er weiß bis gelblich mit matter Schnittfläche, der Teig geschmeidig. Er riecht und schmeckt rein, mild bis leicht aromatisch.

Herstellung

Rohstoff ist Sauermilchquark aus Kuhmilch, der allein durch Säuerung ohne Lab entsteht. Er muss weiß, geschmeidig, aber griffig und leicht körnig sein, rein milchsauer riechen und schmecken, mindestens 32 % Trockenmasse und einen pH-Wert unter 4,2 haben. Weitere Zutaten sind Reifungssalze, Speisesalz, je nach Rezept Kümmel, eventuell Kasein sowie Rotschmierekulturen.

Die Käsereien wählen Quarkpartien verschiedener Quarkhersteller aus, stellen sie zu einer Charge zusammen und vermahlen sie; so entsteht ein nahezu einheitliches Ausgangsprodukt. Die Masse wird mit den Zutaten und Kulturen vermischt und zu Laibchen geformt. Diese reifen zwei bis drei Tage im Schwitzraum, dessen Temperatur von etwa 18 °C auf rund 30 °C ansteigt; danach reifen sie bis zur Verpackung nach. Herstellung und Verpackung finden in Hessen statt, weil die kleinen Laibchen auf einem Transport unverpackt austrocknen würden.

Herkunft & Geschichte

Laut Spezifikation wird der Handkäse seit Jahrhunderten in bäuerlicher Tradition hergestellt. Erstmals erwähnt wird er 1813, als Groß-Gerauer ihre von Hand geformten Käse auf dem Markt in Mainz verkauften. Mit steigender Produktion wurde er zu einem Grundnahrungsmittel der „kleinen Leute“. 1893 erfand Peter Traiser II aus Groß-Gerau eine Käsmaschine, mit der die Produktion weiter stieg. Ein Zentrum der Herstellung war und ist das Hüttenberger Land im heutigen Lahn-Dill-Kreis; die Ortschronik von Hochelheim berichtet schon ab 1835, dass der Käsehandel Geld ins Dorf bringt.

Um den Handkäse hat sich in Hessen eine eigene Esskultur entwickelt. Am bekanntesten ist „Handkäs mit Musik“, bei dem der Käse in eine Marinade aus Zwiebeln, Essig und Öl eingelegt wird. Laut Spezifikation gilt er als hessisches Nationalgericht. Heute stellen ihn wenige kleine und mittelgroße, handwerklich arbeitende Käsereien her.

Grundlage dieses Textes: Einziges Dokument, Amtsblatt der EU C 320 vom 24. Dezember 2009. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.

Herkunft auf der Karte

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Alle Spezialitäten auf der großen KarteKarte: Natural Earth

Schutz & Quellen

Steckbrief, Lage und Datenquelle

Steckbrief

Schutz
geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
Kategorie
Käse
Herkunft
Deutschland
Geschützt seit
Weitere Namen
Hessischer Handkäs
Aktenzeichen
PGI-DE-0618

Lage

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Koordinaten: 50.550, 9.000

Quelle

Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 10. Februar 2020. Eintrag im eAmbrosia-Register