Bayerischer Meerrettich

g.g.A. Obst, Gemüse & Getreide · Deutschland

Eine Tube mit der Aufschrift „Bayerischer Meerrettich“ und dem g.g.A.-Zeichen.
Foto: 1-Byte · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons

Bayerischer Meerrettich oder Bayerischer Kren wird in Bayern angebaut und verarbeitet, vor allem in Mittel- und Oberfranken. Es gibt ihn als rohe Stangen oder gerieben und mit Essig, Öl und Gewürzen zubereitet.

Auf einen Blick

Schutz
g.g.A. (geschützte geografische Angabe) seit 21. November 2006
Art
Meerrettichstangen und zubereiteter, geriebener Meerrettich
Zutaten
Meerrettich aus Bayern, Essig, Öl und Gewürze
Pflanzung
April
Ernte
Oktober
Konservierung
nur durch Schwefeln, keine anderen Konservierungsstoffe
Herkunftsgebiet
Bayern, Verarbeitung vor allem in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim und Forchheim (Deutschland)

Aussehen & Geschmack

Bayerischer Meerrettich kommt als Stangen (Rohware) oder verarbeitet in den Handel. Der zubereitete, genussfertige Meerrettich besteht aus geriebener Rohware mit Essig, Öl und Gewürzen nach überlieferten Rezepten; er muss einen Mindestanteil an Meerrettich enthalten. Der Meerrettich dafür stammt zu 100 % aus Bayern, die übrigen Zutaten nicht unbedingt.

Laut Spezifikation sind besondere Schärfe und ein würziges Aroma charakteristisch. Die Zubereitung hat eine rustikale, gleichbleibend scharfe und würzige Note, ist hell ohne dunkle Punkte und hochviskos.

Herstellung

Ende Februar, wenn der Frost vorbei ist, werden die Mieten geöffnet, in denen die Setzlinge, die Fechser, überwintert haben. Sie lagern dann in einem hellen Raum, bis sie austreiben, und werden im April leicht nach oben geneigt mit dem „Kopf gegen Osten zur aufgehenden Morgensonne“ in die Beete gelegt. Ab Anfang Mai wird „geköpft“: Jeder Fechser wird halb freigelegt, und nur der kräftigste Trieb bleibt stehen, damit später einköpfige Stangen wachsen. Bis zur Ernte wird jede Wurzelstange mindestens einmal aus- und wieder eingegraben, um Nebentriebe zu entfernen, meist von Hand; nur am Stangenende dürfen solche Wurzeln wachsen, denn sie sind die Setzlinge des nächsten Jahres. Im Oktober lockert eine Maschine den Boden, und die Stangen werden von Hand herausgezogen. Auf demselben Feld soll Meerrettich nur alle drei Jahre stehen.

Die Wurzeln werden handverlesen, geputzt, gewaschen, frisch gerieben und mit den Zutaten verfeinert; was nicht sofort verarbeitet wird, lagert im Kühlraum. Die Betriebe haben laut Spezifikation über Jahrhunderte Verfahren entwickelt, die nur geringe mechanische Kräfte auf den Meerrettich wirken lassen, damit er wenig von seiner Schärfe verliert. Konserviert wird nur durch Schwefeln.

Herkunft & Geschichte

Angebaut wird auf geeigneten Böden in Bayern, vor allem in Mittel- und Oberfranken; verarbeitet wird traditionell besonders in den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim und Forchheim. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,5 °C, es fallen etwa 600 mm Regen, und die Böden sind locker, sand- und lehmhaltig. Laut Spezifikation führt das zu höheren Glucosinolatgehalten als in anderen Anbaugebieten.

Der Überlieferung nach soll Markgraf Johannes Alchemista den Meerrettich im 15. Jahrhundert an der Regnitz eingeführt haben. Das Buch „Die Nymphe Noris“ von 1650 spricht vom „Böhmischen Kraen im Knoblauchsland“, und 1787 erwähnt Johann Füssel in seinem Reisetagebuch den Feldanbau zwischen Forchheim und Erlangen. Nach der Eröffnung des Ludwig-Donau-Kanals 1846 wurde der Meerrettich von Baiersdorf aus unter anderem nach Österreich, Ungarn, Russland und in die USA verschifft. Seit 1912 bieten Hersteller in Baiersdorf und Umgebung ihn auch gerieben an. Das Gebiet um Baiersdorf ist laut Spezifikation das traditionsreichste Anbaugebiet der Welt und noch heute das bedeutendste in Deutschland.

Grundlage dieses Textes: Zusammenfassung, Amtsblatt der EU C 283 vom 21. November 2006. Der Text fasst die amtliche Beschreibung zusammen (© Europäische Union). Rechtlich maßgeblich ist allein die eingetragene Produktspezifikation.

Herkunft auf der Karte

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Alle Spezialitäten auf der großen KarteKarte: Natural Earth

Schutz & Quellen

Steckbrief, Lage und Datenquelle

Steckbrief

Schutz
geschützte geografische Angabe (g.g.A.)
Kategorie
Obst, Gemüse & Getreide
Herkunft
Deutschland
Geschützt seit
Weitere Namen
Bayerischer Kren
Aktenzeichen
PGI-DE-0299

Lage

Der Punkt markiert ungefähr die Mitte der Herkunftsregion. Koordinaten: 49.000, 11.500

Quelle

Daten aus dem EU-Register eAmbrosia, © Europäische Union, CC BY 4.0. Eintrag zuletzt geändert am 16. Oktober 2024. Eintrag im eAmbrosia-Register